Selbstständigkeit: Bin ich geeingnet?

Selbstständigkeit: Bin ich geeingnet?

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist nicht gerade klein – deshalb scheuen sich viele noch davor, die den Wunsch verspüren mit ihrer Leidenschaft Karriere zu machen.

Auch ich hatte Anfangs Zweifel, dennoch war es bisher die beste Entscheidung meines Lebens.

Um euch bei eurer Entscheidung zu helfen möchte ich euch hier ein paar Fakten über die Selbstständigkeit nennen, die ihr vielleicht noch nicht kanntet.

Los geht’s!

 

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Was bedeutet es, selbstständig zu sein?

Wenn du angestellt bist, sorgt dein Chef oder das Unternehmen für das du arbeitest dafür, dass immer genug Arbeit vorhanden ist. Falls mal nicht genug Arbeit vorhanden ist, darfst du trotzdem zur Arbeit erscheinen und wirst normal bezahlt. Dein Arbeitgeber stellt dir einen Arbeitsplatz und Arbeitsmittel. Du hast geregelte und festgelegte Arbeitszeiten und wenn du Überstunden machst, findet ein Ausgleich statt (“auszahlen oder abfeiern”).

“Selbst” und “ständig”

Dir stehen gesetzlich ein paar Tage zu, an denen du dich erholen kannst und an denen du trotzdem bezahlt wirst, obwohl du an diesen Tagen nicht arbeitest. Wenn du krank bist, erhältst du Krankengeld. Dein Arbeitgeber zahlt dir die Hälfte der Beiträge deiner Sozialversicherungen und auch deine Steuerzahlung wird automatisch ans Finanzamt weiter geleitet. Du hast deinem Arbeitgeber gegenüber einige Verpflichtungen, zum Beispiel pünktlich zur Arbeit zu erscheinen und deine Aufgaben sorgfältig zu erledigen.

Als Selbstständiger, bist du Chef und Angestellter in einem und alle Vorteile, die ich gerade aufgezählt habe, fallen dann für dich erstmal weg. Aber um das besser zu verstehen sollten wir auf die einzelnen Aspekte noch etwas detaillierter eingehen!

Mehr über meinen Tagesablauf findest du übrigens hier: Produktivität verbessern

1. Selbst und ständig – du hast nie Feierabend (und kein Wochenende)

Du bist selbst dafür verantwortlich, deinen Arbeitsalltag zu strukturieren und dich zu disziplinieren, dass du genug Zeit in deine Aufgaben investierst. Außerdem trägst du eine große Verantwortung und musst selbst zusehen, dass alles läuft – deshalb arbeitet man in der Regel auch mehr als 8 Stunden am Tag und am Wochenende. Natürlich kann man sich vornehmen, zu einer bestimmten Uhrzeit die Arbeit nieder zu legen und sich zwischendurch mal einen Tag frei zu nehmen. Aber man hat das Unerledigte ständig im Hinterkopf – Wenn du die Arbeit nicht erledigst, tut es niemand. Wenn andere frei haben, musst du arbeiten, das  kann manchmal zu schwierigen Situationen mit Freunden und Familie führen, die ja auch gerne ab und an noch etwas von deiner Zeit in Anspruch nehmen würden.

2. Du wirst (höchst wahrscheinlich) nicht reich

Nur ein Bruchteil von dem, was man einnimmt, ist “für die eigene Tasche”. Ein großer Teil geht an das Finanzamt und natürlich an Versicherungen, schließlich bist du dein eigener Arbeitgeber und zahlst somit den kompletten Versicherungsbeitrag und nicht nur die Hälfte davon, wie es als Angestellter der Fall wäre. Und natürlich investierst du einen großen Teil in deinen Arbeitsplatz & Arbeitsmittel, die man als Angestellter gestellt bekommt, und Fortbildungen, die ebenfalls oft vom Arbeitgeber übernommen werden. Du reinvestierst eigentlich kontinuierlich in dein Unternehmen, damit du dir Arbeit erleichterst und es wachsen kann, dadurch ist es schwierig, sich Geld zurück zu legen. Sollte man aber auf jeden Fall machen, für den Fall, dass man krank wird. Oder für den Fall, dass Aufträge ausbleiben oder dass das Finanzamt eine Steuernachzahlung fordert, weil man zuvor falsch kalkuliert und zu wenig vorausgezahlt hat.

3. Wenn du nicht arbeiten kannst, verdienst du nichts

Bezahlter Urlaub & Krankengeld sind mitunter die größten Vorteile vom angestellt sein! Im Nachhinein fühle ich mich fast schlecht, dass ich das als Angestellte nie zu schätzen wusste :D Wenn du als Selbstständiger krank bist verdienst du nichts – Wenn du Urlaub machst verdienst du nichts. Deshalb musst du so gut es geht Rücklagen bilden um auch im Härtefall noch alle Fixkosten tragen zu können. So krank zu werden, dass man eine Zeit lang nicht arbeiten kann, ist die größte Horrorvorstellung eines jeden Selbstständigen und vermutlich das größte Risiko, das man als Selbstständiger tragen muss.  Wenn ich in den Urlaub fahre versuche ich an dem Urlaubsort auch immer mindestens 1-2 Tage zu arbeiten.

4. Selbstdisziplin

Du bist dein eigener Chef und musst dich entsprechend selbst disziplinieren. Klar ist es toll, dass man sich den Tagesablauf selbst gestalten kann. Aber wenn man jeden Tag ausschläft, schafft man auch nicht so viel. Deshalb stehe ich jeden Tag mit meinem Freund zusammen um halb 6 auf (er ist angestellt und muss oft schon früh los). Okay okay, ich gebe zu, es gibt Tage an denen stehe ich erst um 8 auf. Aber später eigentlich nie, sonst schaffe ich mein Pensum nicht – ich möchte gerne auch zeitnah Feierabend machen, wenn mein Freund von der Arbeit kommt. Das klappt natürlich nicht immer aber zumindest versuche ich es :) Es gibt auch manchmal Aufgaben auf die man keine Lust hat, zum Beispiel Buchhaltung und Marketing. Aber man kann sich nicht nur die Rosinen raus picken, sonst hätte man sehr bald sehr große Probleme!

5. Bürokram

Besonders wir kreativen Selbstständigen schimpfen regelmäßig über Buchführung & anderen Bürokram. Aber auch das gehört dazu  Die ersten 2-4 Stunden Vormittags investiere ich erstmal in das Beantworten von Emails, außerdem in Marketing/Social Media/Homepage. Buchführung fällt nur einmal im Monat an, beansprucht dann aber gerne auch mal einen ganzen Tag. Ich trage alle Belege zusammen und die gehen dann an meine Steuerberaterin, welche die Steuervoranmeldung für mich macht. Wenn man etwas auslagern kann, was einem selbst nicht gut liegt, sollte man das auf jeden Fall machen! Bürozeit ist Arbeitszeit, die nicht direkt vergütet wird, deshalb muss man sie in die Gesamtkalkulation für die Dienstleistungen, die man anbietet, mit einbeziehen. Außerdem noch erwähnenswert: Man muss sich selbst stets über diverse Rechtslagen und Gesetze informieren! (z.B. wird es ab Mai ein neues Datenschutzgesetz geben, welches vor allem für Homepagebetreiber interessant ist).

Selbstständigkeit – für mich ideal!

Das klingt alles so erstmal ziemlich negativ, wenn man jedoch für die Selbstständigkeit geschaffen ist, ist es das nicht.

Welche Charaktereigenschaften sollte man also idealerweise für die Arbeit als Selbstständige/e mitbringen?

  • Entscheidungsfreudigkeit (es fällt dir leicht, Entscheidungen zu treffen. Auch schwere!)
  • Selbstdisziplin & Selbstmotivation
  • Optimismus & eine hohe Resilienz (die Fähigkeit, Rückschläge & Krisen zu bewältigen)
  • Ehrgeiz
  • Produktivität oder zumindest der Wille, seine Produktivität stets zu verbessern
  • Kaufmännisches Geschick
  • Leidenschaft (du musst das was du machst wirklich innig und aufrichtig lieben – wie soll man auch etwas verkaufen, woran man selbst gar nicht glaubt?)
  • Risikobereitschaft

Wenn du eher ein etwas unsicherer Typ bist, dich gerne von anderen leiten lässt, Sicherheit liebst und ungerne deine Komfortzone verlässt würde ich dir von einer Selbstständigkeit eher abraten.

Wobei man natürlich grundsätzlich auch an gewissen Dingen arbeiten kann wenn man dazu bereit ist :)

Checkliste: Bin ich bereit?

Es gibt natürlich ein paar Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit, welche das in der Fotografie sind möchte ich an dieser Stelle aufzählen. Sie lassen sich natürlich auch auf viele andere Bereiche übertragen! Du solltest alle Punkte mit Ja beantworten können:

  • Ich verfüge über die notwendigen Arbeitsmittel (Equipment)
  • Ich habe mir bereits ein Portfolio aufgebaut, aus dem ersichtlich wird, was man bei mir buchen kann (Positionierung!)
  • Ich kann unter allen Umständen ein bestimmtes Mindestmaß an Qualität bieten (Qualifikation!)
  • Ich bin nicht noch in einem anderen Job extrem eingebunden (dein Business braucht 200% deiner Aufmerksamkeit!)
  • Ich habe mich entsprechend versichert (Betriebshaftpflicht etc)
  • Ich habe einen Business-Plan aufgestellt (realistische Preiskalkulation etc)

Mein Leben für meine Leidenschaft

Einige von euch habe ich jetzt vielleicht schon ein bisschen abgeschreckt. Aber ich möchte euch natürlich auch noch erzählen, was genau an der Selbstständigkeit für mich persönlich besonders toll ist und warum ich mir nicht mehr vorstellen kann, jemals wieder angestellt zu sein. (Momentan zumindest nicht, das kann sich ja durchaus ändern!)
Also… das Beste ist: Man weiß, wofür man arbeitet: für die eigene Leidenschaft! Und nicht für einen anderen, sondern für sich selbst (und seine Kunden natürlich  )
Außerdem kann man Zeit mit Dingen verbringen, die man wirklich liebt und gerne macht. Ich stehe morgens nicht mehr mit Bauchschmerzen auf, so wie es früher in meiner Ausbildung zur Buchbinderin war. Da wusste ich genau, dass mir die Arbeit dort keine Freude bereitet. Nun wache ich morgens auf und freue mich auf die anstehenden Aufgaben.

Ich habe selbst Einfluss auf die eigene Entwicklung und Produktivität, kann Zeit und Geld in Weiterbildung investieren, wie es mir beliebt.  Und das ohne jemals Angst haben zu müssen, dass ich dann überqualifiziert bin und nicht entsprechend bezahlt werde.
Dafür erfahre eine ganz andere Wertschätzung, da sie direkt von meinen Kunden kommt und ich nicht dem Urteil meines Vorgesetzten unterworfen bin….der einen vielleicht auch unfair behandelt, weil ihm irgendwas nicht passt, was mit der Arbeit an sich gar nichts zu tun hat, weil er einen schlechten Tag hatte oder einfach nur ein Arschloch ist.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man, wenn man stets sein Bestes gibt und Ehrgeiz zeigt, auch viel erreichen kann!

Eure Reki


Dein persönliches Coaching

Du möchtest dich selbstständig machen, weißt aber nicht so richtig, wie du anfangen sollst? Wie bekommt man eigentlich Kunden? Worauf muss man sonst so achten? Wie findet man die richtige Nische und wie kann man sich positionieren?

Diese Fragen und viele mehr beantworte ich dir gerne in deinem persönlichen Coaching!

Ich freue mich auf deine Nachricht!

Personal Coaching

 

4 Kommentare
  • Pingback:Selbstständigkeit - Tipps für mehr Produktivität im Arbeitsalltag
    Erstellt um 11:01h, 28 Juli

    […] Selbstständiger muss man sich nicht nur selbst motivieren & disziplinieren, man muss auch produktiv sein. Denn […]

  • Amber
    Erstellt um 11:09h, 08 März

    Du bist großartig. Danke für diesen Beitrag, denn ich spiele aktuell auch viel mit dem Gedanken mich eines Tages in meinem Bereich selbstständig zu machen und suche unentwegt nach unterschiedlichen Austauschmöglichkeiten :)

    Ich liebe deine Bilder und hoffe sehr, mir eines Tages auch ein Shooting bei dir gönnen zu können. Das steht in jedem Fall sehr weit oben auf meiner Liste.

    Mach weiter so!

  • Andrea
    Erstellt um 09:54h, 08 März

    Liebe Reki,
    ein sehr schöner Beitrag, der viel wichtiges aufzählt. Selbständigkeit klingt erstmal so toll und dann stellt man diese ganzen kleinen Dinge fest, die man als Angestellter für selbstverständlich hält. Trotzdem würde auch ich nie wieder im Büro arbeiten wollen für jemand anderen :)

    Liebe Grüße
    Andrea

  • FK
    Erstellt um 16:03h, 07 März

    Schöner Artikel, ich kenne das “selbst und ständig”, zwar aus einer anderen Branche aber genau darum möchte ich Fotografie als Hobby behalten und meine Festanstellung mit Home Office genießen. 9 Jahre Freelancer waren genug und die Anstellung ist “bequemer”, gerade dann wenn man den sonst nötigen Papierkram wie die Pest haßt. ;)

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