Selbstbildnis im Lockdown

Selbstbildnis im Lockdown

Im letzten Beitrag ging es um die Folgen der Pandemie für selbstständige Fotografen. Dabei habe ich ein Thema, welches für mich und viele Kollegen in den letzten Wochen zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, schon mal kurz angerissen. Das Thema Selbstbildnis im Lockdown ist also nicht ganz neu für euch, und ich weiß, dass einige ja auch fleißig bei den #schöniselfie Challenges mitmachen und Selbstportraits so ebenfalls für sich entdeckt haben! Das freut mich sehr!

Hier geht es nicht nur um die Verfügbarkeit als Grund für Selbstportraits. (wir hatten nun über Wochen ja keinen Kontakt zu anderen Models außer uns). Ich möchte mit euch etwas mehr in die Tiefe gehen. deshalb habe ich meine Kollegen der Creative Art Community gefragt, was ihre Selbstportraits der letzten Wochen für sie persönlich bedeuten.

Über die Bedeutung unserer Selbstbildnisse im Lockdown und welche Gefühle wir mit ihnen verarbeitet haben geht es also in diesem Beitrag!

Natalia Le Fay

In den letzten Wochen habe ich mehrere Selbstinszenierungen umgesetzt, die mir zwar schon länger durch den Kopf gingen, aber erst in der Lockdown Zeit so richtig Gestalt annahmen. Einen Anteil daran hatte natürlich auch die Creative Art Conference, die uns alle einen großen Inspirations-Boost verschafft hat!
Wenn man durch äußere Umstände nicht mehr wie gewohnt arbeiten kann, dann besinnt man sich auf die einfachen Dinge, vielleicht sogar wieder auf das, wieso man überhaupt damals erst zur Kamera griff. In meinen Selbstbildnis nahm ich starken Bezug zur Natur, was sie mir bedeutet, wie ich über die aktuelle Lage denke (Verunsicherung, Angst durch Brände, Abholzung, übermäßiger Konsum) und verarbeitete diese in meinen Foto-Themen. Wir sind alle Teil der Natur, wenn wir ihr schaden, leiden auch wir, aber wenn wir ihr Gutes tun, dann erblühen wir auch!
Und das waren für mich schon zuvor und auch weiterhin wichtige Themen für jedes Selbstbildnis im Lockdown.

Lyonel Stief

Gerade mir als extrovertierte Person fällt es schwer, plötzlich isoliert zu sein. Meine Assistentin habe ich ins Home Office geschickt und alle zeitnahen Termine wurden abgesagt oder verschoben.

Kreatives Schaffen war für mich auch schon immer eine Art Ventil, um aus dem Alltag auszubrechen und seine ganz eigenen kleinen Welten zu schaffen. Daher habe ich es in den letzten Wochen einfach mit mir selbst ausgelebt mit mehr als einem Selbstbildnis im Lockdown.

Nach der ersten und zweiten Creative Art Conference waren wir alle – also auch wir Speaker – zusätzlich sehr inspiriert. So kam zum Beispiel das Selbstbildnis mit den Spielkarten zustande, welches ich direkt nach einem Vortrag meiner Kollegin Robella umgesetzt hatte.
Als Foto-Trainer habe ich dabei natürlich auch die Community mitgenommen in Form von Insta-Stories und anderen Making Ofs, damit auch jeder davon etwas hat. Ich hoffe ich kann diese Inspiration auch an andere weiter geben, weiterhin Kreativ zu bleiben, egal was da Draußen in der Welt los ist. =)

P.S. Die Circus Bilder und der Iron Throne sind eigentlich vor Corona entstanden, aber ich denke das passt dennoch.

P.P.S. Bearbeitung vom Neon-Foto war von Florian Haist.

Florian Haist

Das Selbstbildnis war im Lockdown für die meisten von uns People-Fotografen die einzige Möglichkeit, überhaupt kreativ werden zu können. Denn durch den Lockdown waren Shootings mit anderen ja leider tabu und ich wusste nicht, was ich in der Zeit machen soll. Die Kreativität war erstmal kurz im Keller. Doch durch Rekii´s Vortrag der ersten Creative Art Conference wurde die Lust auf Selbstportraits neu in mir geweckt. Da ich nicht unbedingt die große Grinsebacke bin wurde, wie immer wenn ich ein Selbstbildnis mache, eher etwas düsteres daraus. Fragt mich nicht warum, aber ich mag solche Portraits von mir einfach lieber. 

Beim zweiten Selbstportrait wurde es dann noch etwas kreativer, denn ich hatte einen Mood, den ich umsetzen wollte. Und durch dieses Shooting kam mir dann gleich die Idee daraus eine neue Serie zu starten. Da Shootings mittlerweile wieder mit Abstand erlaubt sind, konnte ich auch schon zu der Serie ein paar Shootings absolvieren. Also konnte ich dem Lockdown doch noch etwas positives abgewinnen.

https://www.instagram.com/florianhaist/

Ich wollte meine Gefühle irgendwie in Bildern festhalten. Hatte aber auch hier kein großes Ziel vor Augen.”
https://www.robella-art.com/

Robella

Meine Selbstbildnis Serien im Lockdown wurden für mich ziemlich emotional. Irgendwann in der Zeit des Lockdowns, kam ich an einen Punkt an dem mir alles egal war. Ich wollte meine Gefühle irgendwie in Bildern festhalten. Hatte aber auch hier kein großes Ziel vor Augen, eigentlich war das das erste Shooting bzw. Selbstbildnis ganz ohne Ziel und ganz ohne Erwartung. Denn ich wollte mich einfach nur meinen Gefühlen hingeben.

Mein Geist war betäubt durch die Unwissenheit, die Isolation, die Einsamkeit, Perspektivlosigkeit. Ich habe den Sinn nicht mehr gefunden und sah keine Ziele mehr vor Augen.

Ich wusste nicht mehr wer ich bin und wer nicht weiß wer er ist, wird zum Joker

Ich wusste nicht, welchen Weg ich dafür gehen KANN wenn das alles vorbei ist. OB es vorbei sein wird. All das war ungewiss. 

“Ich wollte mich einfach nur meinen Gefühlen hingeben”

Davon abgesehen habe ich auch in meinem Umfeld Zwischenmenschliches Chaos zu der Zeit erlebt. Zwischen Liebe, Hass, Begierde & Hemmnissen hat sich der Wahnsinn des Lockdowns eingeschlichen. Ich wusste nicht mehr wer ich bin und wer nicht weiß wer er ist, wird zum Joker. Gleichgültig, wahnsinnig ohne jegliche Empathie. Dem uns ins Gesicht schlagenden Nihilismus einfach lächelnd zu begegnen. Sich mit Alkohol & Zigaretten weiter zu betäuben.  

Ich war so einsam & zu sehr mit mir beschäftigt um andere Menschen zu kontaktieren.
ICH war also, für MICH die Beste & einzige Option

Also hab ich mich apathisch betrunken, hab ohne Plan tanzend vor der Kamera einfach die Gefühle laufen lassen und auf den Fernauslöser gedrückt.  Ich war so einsam & zu sehr mit mir beschäftigt um andere Menschen zu kontaktieren. Ich hätte nicht mal gewusst, was ich sagen soll. Davon abgesehen, wurden wir ja in die Isolation geschossen. 

Und die Menschen die ich gerne um mich gehabt hätte, waren entweder emotional entfremdet oder selbst Antihelden die mich nur als ein Opfer sahen und sich daran ergötzten mich in irgendeiner Form „gerettet“ zu haben. Die anderen wollte ich einfach nur schützen. ICH war also, für MICH die Beste & einzige Option. 

Bin ich verrückt? Oder wird die Welt da draußen einfach nur verrückter?

“Ich hab getanzt, geweint, geflucht!”

Ich hab getanzt –  zu Frank Sinatra, geweint und geflucht.  „That’s Life  – Each time I find myself flat on my face .. I pick myself up and get back in the race  Jaaaa, jaa genau. Vielleicht in ein paar Monaten… 

Jimi Hendrix, James Gang, The Zombies… Eine auseinander Setzung mit dem Chaos, der Joker umarmt und begrüßt das Chaos. Bin ich verrückt? Oder wird die Welt da draußen einfach nur verrückter?  Ich hatte nicht vor, dass die Bilder was werden. Aber auch der Joker hatte nicht vor zum Joker zu werden, es ist einfach passiert, durch Einwirkung von Außen.  Durch die Gesellschaft gezwungen ein glückliches Gesicht auf zusetzten „Just put on a happy face“ – Innerlich zerbrochen & aussen ein Clownsgesicht. 

Die Gesellschaft erwartet dass wir lachen, anstatt zu unseren psychischen Problemen zu stehen. 
“Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?”

Joker, ist nicht einfach nur der Bösewicht in Gotham City & Batmans Gegenpol, die Geschichte behandelt unabhängig von meinen Gefühlen während des Shootings, eine sehr sehr wichtige Sache die uns alle betrifft. 

Die Gesellschaft erwartet dass wir lachen, anstatt zu unseren psychischen Problemen zu stehen . „Der Wahre Widerstand fängt an wenn man aufhört zu versuchen diese Welt und sich selbst retten zu wollen.”.  Soweit sollte es nicht kommen.

Das können wir nur schaffen, wenn SOLIDARITÄT nicht nur eine Rolle spielt, wenn ein Virus die Welt verseucht. Sondern IMMER!  Wir brauchen eine Herden Immunität. Gegen Befürworter von Rassismus, Grenzen Schließung, Homophobie, asoziales Verhalten, Ausbeutung, Verschmutzung der Meere & der Wälder, Hungersnot, Kriegen, Hass & Machtgier.. uvm. 

Passend zu dieser LockdownSelbstbildnis Serie: ” Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” – mein Thema bei der Creative Art Conference Part III – wird nochmal tiefere Einblicke geben in meinen sehr emotionalen kreativen Schaffensprozess!

Photogravity Milena A.rt

Selbstportraits sind für mich natürlich als Teil der „Generation Selfie“ schon immer ein Thema. Meine Kamera habe ich allerdings dafür noch nicht sooooo oft bemüht – sicherlich auch ein bisschen aus Bequemlichkeit. Der Lockdown jedoch hat die Karten neu gemischt und Rekii hat mich bei der 1. CAC mit ihrem Vortrag sehr inspiriert. Also habe ich angefangen wieder mehr Gedanken darin zu investieren und Zeit und Energie aufzuwenden und das möchte ich auch weiter beibehalten in Zukunft!

Denn gerade für mich sind Bilder, die mein fröhliches Wesen visualisieren ein echter Anker, wenn doch mal Regenwolken im Kopf sind – also sind meine Selbstporträts meistens glücklicher Natur. Oder sie zeigen meine Vintageliebe. Oder meine Gefühle im Bezug auf die Situation. Und vor allem ist jedes Selbstbildnis – ganz besonders auch im Lockdown – ein wunderbarer Zeitzeuge, der mich immer an meine derzeitigen Gefühle und die Situation erinnern wird – als Teil meiner persönlichen Entwicklung!

Mehr unter www.photogravity.berlin

Sascha / MysticMoments

Für mich sind Selbstportraits ein großer Schritt raus aus meiner Komfort Zone, weil ich viel lieber hinter der Kamera stehe, als davor. Und mich selbst weniger fotogen sehe. Doch inspiriert durch eine meiner Lieblings-Serien “True Detective” wollte ich schon immer mal ein Bild dieser Art umsetzen. Und motiviert durch meine Speaker Kollegen der Creative Art Conference war der Lockdown für mich also endlich die Gelegenheit, aus meiner Komfort Zone rauszukommen.

Darüber hinaus konnte ich ins Bild direkt eine Bedeutung einarbeiten, eine kleine Geschichte, die mir in diesen Tagen wichtig, ist und die mir immer wieder durch den Kopf geht: Die Veränderung, die bevorsteht, raus aus meiner Komfort Zone, mir raucht der Kopf, vieles wächst mir über den Kopf hinaus. Doch der Blick ist konzentriert, stark in die Zukunft gerichtet und ich will diese Veränderung.

Der Lockdown hat mir gezeigt wo meine Zukunft liegt, mir auch viel Gutes gebracht, meine Ziele neu justiert. Aber auch für diese muss ich mich wieder mit meinen Gefühlen hinter diesem Selbstbildnis auseinandersetzen.

All das konnte ich also durch mein Selbstbildnis auch verarbeiten. Für mich war es in dieser Phase also sehr wichtig und hat mir geholfen, all meine Gedanken und Ängste zu reflektieren. Denn im Endeffekt konnte ich sie im Bild ordnen, obwohl es zunächst mal sehr chaotisch war und mir viel abverlangt hat. Jetzt sehe ich es an, und weiß: wenn die nächste Herausforderung vor mir liegt, schaff ich das… denn den Lockdown haben wir ja erstmal auch geschafft…fast…

Rekii

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht mehr so einen großen Stellenwert in diesem Beitrag einnehmen, denn ich rede ja seit Wochen gefühlt eigentlich über nichts Anderes mehr als über meine Selbstportraits. Und ich denke meine Kollegen konnten euch bereits einen guten Einblick darin geben, dass Selbstportraits eben viel viel mehr sind, als nur schöne Selbstdarstellung. Kurz gesagt: Jedes Lockdown Selbstbildnis hat mir Kraft und Halt gegeben und dazu beigetragen, mir meine Kreativität zu erhalten.

Mehr dazu!

Für mehr meiner Gedanken zum Thema Selbstportraits also nur ein kurzer Hinweis zu meine älteren Beiträge zu dem Thema: Inspiration – Selbstportraits & Selbstportraits mit der Nikon Z6 sowie natürlich zu meinem Selfie-Guide #schöniselfie E-Book wenn ihr euch noch eingehender mit dem Thema beschäftigen möchtet! Darüber hinaus erscheint demnächst ein Artikel von mir in der Pictures! Macht gerne auch bei den wöchentlichen Challenges mit, bei denen ich jeweils einen 30€ Gutschein für meinen Shop verlose! Unter #schöniselfiechallenge3 läuft heute die aktuelle Challenge aus, dann wäre es in der KW 21 die Challenge Nr. 4 !

Und natürlich laden wir CAC-Speaker euch wieder ganz herzlichen zur nächsten Creative Art Conference ein, welche am 06. & 07.06. Online stattfindet! Für noch mehr Weiterbildung und Inspiration!

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